Meine Tochter geht auf eine Montessorischule und die Klassen sind altersgemischt. In ihrem Alter hat sie nur ein Mädchen in ihrer Klasse. Nun versuchten alle beide immer wieder Freundinnen zu werden, aber so richtig harmonisch war es nie. Meine Tochter erzählte mir fast täglich von Auseinandersetzungen mit dieser Freundin, da sie andere verletzt und lügt und sie eigentlich gar nicht mit ihr befreundet sein möchte. Ich probierte mit Engelszungen meiner Tochter gut zuzureden und ihr Tipps im Umgang mit diesem Mädchen zu geben. Aber nichts half.
Der Höhepunkt dieser verzweifelten Freundschaft trat ein als meine Tochter sie zu ihrem Geburtstag einlud und ihr eine selbstgebastelte Einladung (worauf meine Tochter sehr stolz war) übergab. Die Freundin sah das jedoch anders, schmiss die Einladung auf den Boden und sagte zu meiner Tochter: „So eine scheiß Schrift. Die kann doch sowieso keiner lesen. Schick es doch meiner Mutti per WhatsApp und gut.“ Puhh. Das hat gesessen und zwar ordentlich.
Ich holte meine Tochter aus der Schule ab und sah es bereits in ihrem Gesichtsausdruck, dass etwas vorgefallen war. Kaum im Auto angekommen erzählte sie mir davon und war so enttäuscht und traurig. Den ganzen Tag beschäftigte sie diese Situation. Sie habe sich doch so viel Mühe bei der Gestaltung der Einladung gegeben und nun wirft sie sie einfach weg und äußert sich noch sehr negativ dazu. Abends beim Zubettgehen weinte sie sehr doll und war so wütend auf diese Freundin und sagte zu mir: „Ich lade sie nicht mehr zu meinem Geburtstag ein. Ich möchte nicht, dass sie kommt. Sie hat mich so verletzt.“
Ich probierte meine Tochter zu beruhigen und zu ermutigen, vielleicht nochmal das Gespräch mit ihr zu suchen. Aber sie war so verletzt und wollte nicht.
Nun ging es mir damit nicht gut. Zum einen war ich tief berührt, meine Tochter so traurig zu sehen, war wütend und wollte mit der Mutti in Kontakt treten. Ich beruhigte mich, ging mit meiner Tochter den nächsten Tag nochmals ins Gespräch und sie wiederholte, dass sie auf keinen Fall möchte, dass sie nun noch zu ihrem Geburtstag kommt. Nach langem innerlichen Hin und Her nahm ich die Entscheidung meiner Tochter an und äußerte, dass ich bei passender Gelegenheit gegenüber der Mutti, ohne Wertung, ohne Vorwürfe, einfach nur sagen würde, dass meine Tochter sehr traurig ist, da sie sich gestritten haben und nun nicht mehr möchte, dass sie zum Geburtstag kommt.
Meine Tochter wies ich nun öfters darauf hin, dass sie ihr auch wieder vergeben soll. Sie müssten ja keine Freunde werden, aber dass sie sich gegenseitig respektieren und nicht ärgern und mobben sollen.
Nun sind mittlerweile 2 Jahre vergangen und aus dieser anfänglich sehr schweren Situation ist eine schöne, respektvolle Freundschaft entstanden. Diese Freundin war das Jahr darauf zum Geburtstag da und es gibt seit diesem Vorfall keine negativen Vorfälle mehr. Meine Tochter ist durch diese Situation so stark geworden und sie hat gelernt, auf ihre Intuition zu hören und auch Grenzen zu setzen. Die Freundin hat dadurch gelernt, anders mit ihren Klassenkameraden umzugehen, denn sie hat gespürt, dass man dann auch nicht mehr gemocht wird. Denn vorher kam sie immer mit solchen Situationen durch, da es sich jeder gefallen ließ.
Für mich hat das so eine tolle Wendung genommen und ich bin sehr stolz auf meine Tochter und mich, dass wir so bei uns geblieben sind und dadurch die Freundschaft eine neue Chance bekommen hat.
Diese Erzählung betrifft zwar kein Kindergartenkind, aber ich finde es so wichtig, dass die Kinder auch ihre Grenzen erkennen und auch umsetzen dürfen. Ohne es klein zu reden und nicht ernst zu nehmen.
Luisa
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